Geschichte der Juden in Grevesmühlen

Vor 230 Jahren wurde die erste jüdische Gemeinde gegründet. Währenddessen kamen mit den deutschen Kolonisten die ersten Juden nach Mecklenburg. Ackerbau, Handel, Handwerk und Gewerbe waren für diese untersagt. Es blieb nur Pfandleihe, die Kreditvergabe auf Zinsen und der Haustier- und Landhandel. Nach dem Sternberger Judenpogrom von 1492 verließen alle Juden das Land, damit auch Grevesmühlen. 200 Jahre später ließen sich sieben Familien nieder, 19 weitere folgten jedoch ohne Bleiberecht. Der erste Jude mit Bleibe- und Stadtrecht war Samuel Riccius, im Jahre 1608.

Allerdings erregte das jüdische Geldgeschäft den Unwillen der Stadt und hatte somit „offen und bei Tage“ zu erfolgen.

 

Außerdem gab es auch Schutzjuden, welchen der Herzog umfassende Handelsprivilegien gewährte. Ihnen wurde der Leder-, Woll-, Hartholz- und Tabakhandel übertragen. Sie waren in der Lage Rohprodukte aus Lübeck und Hamburg in „klingende Münzen“ umzusetzen. Später waren der Ansiedlung der jüdischen Familien keine Grenzen gesetzt. Jedoch wurde ihnen die Teilnahme am allgemeinen Stadtleben vorerst untersagt. Letztendlich blieben von den wenigen Berufen, die Juden in christlicher Umgebung ausüben konnten, nur der Schausteller auf Jahrmärkten, der Quacksalber, der Medicus sowie der Musikant. Hinzu kam der Handel in den Städten, der bald den Konkurrenzneid der christlichen Händler erregte.